Wenn auch Eltern in der Grundschule büffeln - Bürgerstiftung füllt Rucksack Schule

Wenn auch Eltern in der Grundschule büffeln - Bürgerstiftung füllt Rucksack Schule

Versetzt in Klasse 2: Auch Eltern von Grilloschülern bekamen zum Schuljahresende ihre „Zeugnisse“. Sie haben erfolgreich an dem Elternbildungskonzept „Rucksack Schule“ teilgenommen. Dank der Bürgerstiftung Unna, die das neue Projekt mit einer Anschubfinanzierung erst möglich gemacht hat, können Mütter und Väter ihre Kinder jetzt besser fördern. Und selbst noch etwas lernen.

Viele Kinder wachsen zweisprachig auf: Sie sprechen in der Familie eine andere Sprache als außerhalb. Das Sprachbildungsprogramm „Rucksack Schule“ für Kinder und Eltern fördert diese Sprachfähigkeiten – seit März auch an der Grilloschule in Unna.

„Das Programm fördert Eltern und Kinder parallel“, sagt Anne Nikbin, stellvertretende Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums Kreis Unna (KI). „Die Eltern lernen, wie sie ihre Kinder auch außerhalb des Schulunterrichts unterstützen können. Sie bekommen Material an die Hand zu einem bestimmten Thema. Das sind zum Beispiel zweisprachige Begriffe zum Thema ‚Sommer‘. Außerhalb der Schule können die Eltern damit ihre Kinder stärken.“ Sie erfahren in der Elterngruppe, wie sie mit ihren Kindern weiter üben können. Mal geht es um Verkehrsregeln oder das Thema gesunde Ernährung, mal stehen unsere heimischen Tiere im Mittelpunkt oder der Kalender oder einfach die Uhr. Gepackt wird ganz bewusst ein „bunter Rucksack“, betont Anne Nikbin.

Doppelter Effekt

So lernen einerseits die Kinder neue Vokabeln aus ihrer Muttersprache und der Zweitsprache – aber auch die Eltern können die Sprache noch etwas besser lernen. Aber eben auch nicht nur die Sprache, sondern Vieles, was im alltäglichen Leben in Unna hilfreich sein kann. „Und für die Kinder ist es ein tolles Signal zu sehen, dass sich die Eltern engagieren und an ihrem Schulleben teilnehmen“, sagt die kommissarische Schulleiterin Vera Michel. Auch die so ganz unterschiedlichen Mütter und Väter lernen sich besser kennen. „Das Programm Rucksack Schule ist bei uns auch ein beliebter Treffpunkt der Eltern untereinander geworden, der genutzt wird zum Austausch. Das Angebot wird die Gemeinschaft der Eltern stärken.“ Künftig sollen auch noch die Omas und Opas der Kinder angesprochen werden, die ja häufig in der Betreuung einspringen.

Eltern haben auch im nächsten Schuljahr die Möglichkeit, an der Grilloschule an dem Programm teilzunehmen. Es gibt Unterlagen für das Programm auch in Unna in 16 Sprachen. Wer sich dafür interessiert, kann sich an die jeweiligen Klassenlehrer wenden. Übrigens: Auch deutsche Eltern schnallen den „Rucksack Schule“. Weil sie merken: Kinder, die von ihren Eltern gefördert werden, lernen leichter und haben in unserem Bildungssystem bessere Chancen.

Bisher 17 Gruppen im Kreis Unna

Zum Beginn dieses Jahres machten über 230 Mütter und Kinder in 17 Gruppen an Schulen in Bergkamen, Bönen, Lünen, Schwerte und Unna bei Rucksack Schule mit. Seit März 2018 findet montags das Rucksackprogramm an der Grilloschule in Unna statt. Eltern – Mütter wie Väter – nehmen regelmäßig an dem vom Kommunalen Integrationszentrum (KI) Kreis Unna koordinierten Programm teil. Rund 11 000 Euro hat die Bürgerstiftung dafür für die Elternbetreuung erst einmal zur Verfügung gestellt. Mit der Option, dass es bei Erfolg weiter geht.

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt im Kreis Unna von der Uni Hamburg, die jetzt schon herausgefunden hat: Dass Mütter und Väter, Migranten als auch Deutsche miteinander die Schulbank drücken, ist zumindest in Nordrhein-Westfalen einmalig.

Auch die Lokalpresse griff das Thema auf, hier der Artikel im Hellweger Anzeiger: